20.10.2022

19 Grad am Arbeitsplatz sind für gesunde Menschen unbedenklich

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin

Spätestens mit Beginn der Heizperiode fragen sich viele Unternehmen und Beschäftigte, wie man am Arbeitsplatz Energie sparen kann. Für öffentliche Gebäude wurde die Temperaturobergrenze auf 19 °C heruntergesetzt. Viele Arbeitgebende und Arbeitnehmende befürchten jedoch negative gesundheitliche Auswirkungen, wenn es im Büro zu kalt wird. Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) hält eine Absenkung der Raumtemperatur für Menschen ohne Vorerkrankung grundsätzlich für unbedenklich. Bei bestimmten Tätigkeiten, wo z.B. besondere Fingerfertigkeiten gefragt sind, könnten niedrigere Raumtemperaturen jedoch zu geringen Leistungseinbußen führen. Bei Vorerkrankungen oder spezifischen Arbeitsanforderungen empfiehlt sich die Konsultation der Betriebsärztin oder des Betriebsarztes.

Gesunde Menschen ohne Vorerkrankung brauchen keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen zu befürchten. Die kühleren Temperaturen können durch wärmere Kleidung sowie durch andere Maßnahmen, wie warme Getränke oder regelmäßige Bewegungspausen, ausgeglichen werden. Auch gibt es in der Wissenschaft schon seit längerem Stimmen, die die bisher gängigen Temperaturen von 20-22 °C für überholt halten und je nach Art der Tätigkeit 17-19 °C für ausreichend erachten. Das hat neben der Einsparung von Energie auch den Effekt, dass die Umwelt weniger belastet wird.

Bei Menschen mit Vorerkrankungen können niedrigere Raumtemperaturen mitunter problematisch werden. Laut WHO werden niedrige Innentemperaturen in Studien mit erhöhtem Blutdruck, einer höheren Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen und der Verschlechterung von Asthma-Symptomen in Verbindung gebracht.

  • Bei kalten Umgebungstemperaturen steigt der Blutdruck. Dies gilt jedoch sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich. Eine medikamentöse Behandlung sollte daher generell so ausgelegt sein, dass milde thermische Reize schadlos vertragen werden.
  •  Laut RKI sind Influenzaviren bei niedrigen Temperaturen stabiler. Grundsätzlich gilt aber, dass (Erkältungs-)Infekte nicht durch zu niedrige Temperaturen entstehen, sondern durch die Übertragung von Viren. 
  •  Kalte Luft ist erst bei Minusgraden oder sehr niedrigen einstelligen Plusgraden ein Trigger für Asthmabeschwerden. Wenn Asthmasymptome sich bei etwas kälterer Luft im Innenraum verschlechtern, dann ist das Asthma unterbehandelt und es empfiehlt sich eine Anpassung der Medikation bzw. der Therapie, so dass der Patient thermische Alltagsreize und andere unspezifische Stimuli problemlos verträgt.
  •  Niedrigere Temperaturen können negative Auswirkungen bei Erkrankungen wie z.B. Anämie oder Rheuma haben.

 

Die DGAUM empfiehlt daher, eine Betriebsärztin oder einen Betriebsarzt bei der Frage nach der richtigen Raumtemperatur zu konsultieren. Dabei sind insbesondere zwei Aspekte wichtig:

  • Die individuellen Besonderheiten (z. B. Anämie, Rheuma) bei jenen Beschäftigten, für die niedrige Temperaturen ungünstig sein könnten.
  • Die Analyse der jeweiligen spezifischen Arbeitsanforderungen vor Ort am Arbeitsplatz.

Durch eine, in aller Regel gesundheitlich unbedenkliche, moderate Absenkung der Temperatur können Unternehmen einen wichtigen Beitrag zu Stabilisierung der Energieversorgung leisten und gleichzeitig die Umwelt schonen.

 

Pressekontakt DGAUM

Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.
Nicole Zubayr
Schwanthaler Str. 73 b, 80336 München
Tel. 089/330 396-0
zubayr@dgaum.de
www.dgaum.de
www.twitter.com/DGAUM_GS