Grußwort des Dekans der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Prof. Dr. Nikolaj Klöcker

© Klöcker

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Schwerpunkte der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin – ‚Arbeiten im Alter‘ und ‚Arbeit bei chronischer Erkrankung‘ – beschreiben Fragestellungen, die heute schon viele Beschäftigte betreffen und bei verlängerter Lebensarbeitszeit immer mehr Menschen betreffen werden. Dies hat sowohl spezifische Folgen für den Einzelnen als auch für die Organisation von Arbeit in Unternehmen und in der Gesellschaft. Genau hier muss die Arbeitsmedizin ansetzen, damit Bedingungen geschaffen werden können, die Arbeitskraft und Leistungserwartung in Einklang bringen. In meiner Beobachtung scheint es vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und gesicherten Altersversorgung der Bürger ja bereits einen gewissen Sinneswandel zu geben, das Bild des „jung dynamischen“ Mittdreißigers, dem jede physische Beeinträchtigung fremd ist, und der als idealer, weil vermeintlich unbegrenzt belastbarer Arbeitnehmer gilt, realistisch und sinnvoll um die volkswirtschaftliche wichtige Erfahrung älterer Arbeitskräfte zu ergänzen. Arbeit bei chronischer Erkrankung oder im Alter muss daher Gegenstand evidenzbasierter medizinischer Forschung sein, auch um betroffene Menschen nicht zum Spielball von Meinungen zu machen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen vorzubeugen.

Das Thema „Arbeit im Gesundheitssystem“ ist nach meiner Einschätzung als Dekan und Vorstandsmitglied eines Universitätsklinikums noch drängender. Negative Rahmenbedingungen wie z. B. der deutschlandweite Pflegenotstand, gepaart mit zunehmender Arbeitsverdichtung seit Einführung des DRG-Fallpauschalensystems treffen auf die konkrete und sensible Situation der Versorgung von Patienten. Diese Umstände setzen die per se verantwortungsvolle Tätigkeit von Pflege- und ärztlichem Personal weiterem Druck aus, der bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitssystem auch direkt ankommt. Dabei geht es sowohl um die Verhältnisse als auch um das Verhalten bei der Arbeit im Krankenhaus, die unter seelisch besonders fordernden Bedingungen geleistet wird. Eine aktuelle Studie, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und koordiniert von Kooperationspartnern in Ulm, mit wichtigen Teilprojekten am Standort Düsseldorf, untersucht zurzeit genau dieses Thema.

Die Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin ist ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Wissenschaft und wird an der Medizinischen Fakultät in Düsseldorf für unverzichtbar erachtet. Die gesellschaftlichen Aspekte der Medizin stellen an unserer Fakultät einen wichtigen Forschungsbereich dar. Im Jahr 2012 wurde daher das Centre for Health and Society (chs) mit der Zielsetzung gegründet, besonders die Wechselwirkungen zwischen Medizin und Gesundheit auf der einen Seite und unserer Gesellschaft auf der anderen Seite in den Blick zu nehmen.

Ich wünsche den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Jahrestagung 2018 der DGAUM  eine interessante Tagung mit anregenden Diskussionen und einen erfolgreichen Auf- und Ausbau wissenschaftlicher Interaktion!

Prof. Dr. Nikolaj Klöcker
Dekan der Medizinischen Fakultät
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

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