Grußwort des Bundesvorstandes des DGB, Annelie Buntenbach

© Simone M. Neumann

Die Politik erwartet von den Beschäftigten, dass sie immer länger arbeiten. Die angestrebte Regelaltersgrenze von 67 Jahren stellt völlig neue Herausforderungen an das Gesundheitsmanagement in den Betrieben. Ein langes Arbeitsleben erhöht das Risiko, dass gesundheitliche Probleme auftreten. Ein gutes Gesundheitsmanagement kann die Risiken deutlich mindern. Aber Gesundheitsschutz wird in der Arbeitswelt immer noch viel zu klein geschrieben und oft als Privatangelegenheit betrachtet. Arbeitgeber entziehen sich der Verantwortung, indem bei gesundheitlichen Problemen oft das Arbeitsverhältnis beendet wird.

Ich begrüße es sehr, dass Sie sich auf ihrer Jahrestagung mit dem Thema „Arbeiten im Alter“ befassen. Das Präventionsgesetz – mit dem sich der Kongress im letzten Jahr befasste – muss mit Leben gefüllt werden. Aber an der betrieblichen Praxis mangelt es noch. Gesundheit darf nicht erst ein Thema werden, wenn sich die ersten Symptome zeigen. Die Arbeitgeber müssen die Arbeitsplätze systematisch daraufhin untersuchen, ob gesundheitsschädliche Einflüsse vorliegen. Solche Einflüsse werden nicht immer zu vermeiden sein, aber umso mehr müssen die Arbeitgeber Ausgleichsmaßnahmen anbieten, wechselnde Arbeitsplätze, gesundheitliche Prävention, gesundes Essen in der Kantine und vor allem muss der Stress reduziert werden. Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet werden, dass sie nicht krank machen - gerade die gesundheitsgefährdende Nachtarbeit muss auf das unvermeidliche Maß reduziert werden. Dabei darf die Altersgrenze nicht in Stein gemeißelt sein. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit nicht weiter ausüben können, dürfen nicht mit Rentenabschlägen bestraft werden.

Gleichzeitig müssen die Beschäftigten darin gestärkt und unterstützt werden, die Angebote anzunehmen und sich aktiv mit Gefährdungen auseinanderzusetzen. Betriebs- und Personalräte müssen sie dabei unterstützen. Beschäftigte, die auf die Einhaltung von gesundheitlichen Regeln achten, dürfen nicht benachteiligt werden oder als „Heulsusen“ diskriminiert werden. Dafür bedarf es einer betrieblichen Kultur, die dies fördert. In vielen Betrieben ist es bis zu dieser Kultur noch ein weiter Weg.

Auch der Schwerpunkt „Arbeit im Gesundheitswesen“ ist brandaktuell. Viele Beschäftigte reduzieren ihre Arbeitszeit, weil sie sich den Belastungen nicht gewachsen fühlen. Das verstärkt wiederum den Fachkräftemangel, der wiederum zu zusätzlichen Belastungen führt. Ein Teufelskreis. Die Privatisierung z.B. von Krankenhäusern verstärkt die Probleme zusätzlich, weil Renditeerwartungen erhöhten Kostendruck erzeugen. Im Gesundheitswesen braucht es neue Impulse, wie die Arbeit anders organisiert werden kann und wie die Arbeit attraktiver wird. Die Gesundheit der Beschäftigten muss dabei den gleichen Stellenwert erhalten, wie die Gesundheit der Patienten.Von Ihrem Kongress können deswegen wichtige Anregungen ausgehen. Personalverantwortliche und Mediziner müssen in den Unternehmen Hand in Hand arbeiten.

Ich wünsche dem Kongress viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen

Annelie Buntenbach

 

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